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Arbeit 60plus

Lernen in Hörsaal

Nur etwa 43 Prozent der Deutschen zwischen fünfzig und siebzig Jahren ist noch erwerbstätig. Nach dem sechzigsten Lebensjahr geht die Quote der arbeitenden Frauen und Männer noch einmal steil bergab: Jetzt sind es gerade noch sieben Prozent, und bei den über Siebzigjährigen bleiben ganze 1,5 Prozent übrig. Allerdings werden die Einschränkungen von Vorruhestand und Altersteilzeit und die Verschiebung des Rentenbeginns diese Zahlen schon bald steigen lassen. Der Trend kehrt sich um – aber viel zu langsam.

Chance demografischer Wandel

Schon in naher Zukunft wird die demographische Entwicklung vielen Unternehmen ernsthafte Probleme bereiten. Vor allem Fach- und Führungskräfte werden fehlen, eine Tendenz, die schon jetzt deutlich sichtbar ist. Schmerzhaft spürbar wird sie, sobald die Babyboomer-Generation in Rente geht, also etwa ab 2020. Wer auch im fortgeschrittenen Alter noch arbeiten will – oder aus finanziellen Gründen muss - müsste eigentlich in den kommenden Jahrzehnten gute Chancen haben. Vorausgesetzt, die Arbeitgeberseite erkennt endlich den Wert, den gerade ältere Arbeitnehmer für sie haben.

Doch klar ist auch: Maßnahmen, die Ältere gegen ihren Willen im Arbeitsprozess halten wollen, sind zum Scheitern verurteilt. Wer sich ausgebrannt fühlt, wer in seinem Beruf keine Perspektive mehr sieht und die innere Kündigung längst eingereicht hat, wird seinem Unternehmen wenig Nutzen bringen und häufig auch Mittel und Wege finden, früher als vorgesehen in Rente zu gehen.

Motivation durch Neuanfänge

Wie motiviert man ältere Mitarbeiter? Untersuchungen des „Instituts zur Zukunft der Arbeit“ (IZA) zeigen: Indem man ihnen so viel Freiraum wie möglich gibt, auf ihre Selbstverantwortung baut und in vielen Fällen auch Neuorientierungen zulässt. Wenn Mitarbeiter in ihrem angestammten Tätigkeitsbereich mehr und mehr Erschöpfungssymptome zeigen, heißt das nicht, dass sie allgemein „zu alt fürs Arbeiten“ sind. So mancher dieser Burn-Out-Kandidaten stürzt sich, endlich in die Rente entlassen, mit großer Begeisterung in arbeitsintensive Tätigkeiten, die nicht weniger anstrengend sind als ihr Beruf – nur eben anders.

Das Geheimnis langer, erfüllter Arbeitsbiografien lautet: Immer wieder neue Herausforderungen suchen. Auch für Mitarbeiter im fortgeschrittenen Alter sollten Veränderungen und Neuanfänge nicht tabu sein. Im Gegenteil, sie selbst und ihre Arbeitgeber sollten aktiv nach neuen Tätigkeitsfeldern suchen. Das vielgerühmte „lebenslange Lernen“ trägt allerdings nicht in jedem Fall zur Lösung der Probleme bei.

„Standard-Weiterbildungen helfen nicht weiter“, meint Christian Roßnagel, Professor für Psychologie an der Jacobs University Bremen. Bevor man einem Mitarbeiter eine Bildungsmaßnahme „verordnet“, sollte unbedingt ein individuelles Gespräch geführt werden. Offenheit ist wichtig: Beide Seiten müssen sich über Ziele, Zukunftsperspektiven und Lerntechniken austauschen und einigen.


Die „Initiative Arbeit 50 plus e.V.“ will Arbeitssuchende wieder in Beschäftigung bringen (bisher Schwerpunkt in Baden-Württemberg): www.arbeit50plus.de

Das Demographie Netzwerk e.V. ist ein Unternehmer-Initiative mit vielen Anregungen für kleine und große Unternehmen, wie sie sich der demographischen Herausforderung stellen können: www.demographie-netzwerk.de

Programm des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zur Verbesserung der Chancen älterer Arbeitnehmer: www.perspektive50plus.de