copyright Hauskauz.de

Ausgelernt?

Bücher

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!“ Die moderne Wissenschaft hat diese alte Redensart inzwischen eindeutig widerlegt. Mit den Jahren lässt zwar die körperliche Leistungsfähigkeit nach, die kognitiven Fähigkeiten tun es aber weit weniger. Zum Beispiel das Wahrnehmungstempo: Ältere Probanden reagieren in Wahrnehmungstests zwar Millisekunden später, machen aber weniger Fehler als jüngere. Was ihr Körper mit den Jahren weniger leisten kann, machen sie häufig mit einem Mehr an Erfahrung und Gelassenheit wett.
Dass Ältere manchmal die besseren Schüler sind als Junge, liegt auch daran, dass sie durch viele Lernerfahrungen gegangen sind, deshalb die eigenen Fähigkeiten und Defizite besser einschätzen und mit ihnen arbeiten können. Ihre Lernmethoden sind im Durchschnitt individueller und effektiver.

Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme im Alter zunehmen. Schuld daran ist jedoch keineswegs nur die Alterung des Gehirns! Lern- und Motivationsprobleme haben auch psychosoziale Ursachen. Im Alter spielen oft Depressionen und Ängste eine Rolle, aber auch mangelnde Kontakte zu Jüngeren und eine wachsende Abwehrhaltung gegen die moderne Welt, gegen Moden und Entwicklungen – eine Haltung, die im Einzelfall ja auch durchaus ihre Berechtigung hat.

Was hält unser Gehirn fit?

Um das Gehirn bis ins hohe Alter fit zu halten, werden seit einigen Jahren sogenannte „Gehirnjogging“-Produkte oder andere softwarebasierte Denkspiele beworben. Namhafte Kognitions- und Neurowissenschaftler haben sich jüngst in einem internationalen Memorandum sehr skeptisch über ihre Wirksamkeit geäußert. Ihre Untersuchungen zeigen: Solche Programme „verbessern die Fertigkeiten, die sie trainieren. Hingegen zeigen nur sehr wenige eine positive Wirkung (im Sinne eines Transfers) auf allgemeine geistige Fähigkeiten oder Leistungen in Alltagssituationen.“ Alzheimer oder andere Formen dementieller Erkrankungen können sie nach heutigem Kenntnisstand weder vorbeugen noch heilen.

Für effektiver halten die Wissenschaftler jede Beschäftigung mit etwas wirklich Neuem, Anderen, Unbekannten. Ob Aquarellmalerei oder ein Kartenspiel, physikalische Experimente, die Leitung einer Reisegruppe oder das Schreiben einer Kurzgeschichte – alles, was Sie noch nie in Ihrem Leben getan haben, fordert und fördert Ihr Gehirn in besonderem Maße. Natürlich sollten Sie sich dabei zu nichts zwingen, sondern tun, was Ihnen Spaß macht. Neue Forschungen zeigen außerdem, dass regelmäßige sportliche Bewegung für die Entwicklung des Gehirns bis ins hohe Alter besonders wichtig ist und vielleicht auch dementiellen Erkrankungen vorbeugen kann.

Wissensdurst bis ins hohe Alter

Können Sie oder ein Angehöriger aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr so am Lern-Leben teilnehmen, wie Sie sich das wünschen, sollten Sie unbedingt versuchen, sich Hilfe zu holen. Körperliche Pflege ist wichtig, aber sie ist nicht alles im Leben. Nehmen Sie Ihren Wissensdurst ernst, und versuchen Sie, Mittel und Wege zu finden, ihn zu stillen. Helfen kann Ihnen dabei zum Beispiel die Seniorenberatungsstelle Ihrer Kommune.

Einzelne Städte und Gemeinden haben Freiwilligenprojekte entwickelt, die ehrenamtliche „Lernpartner/innen“ für Menschen mit Beeinträchtigungen ausgebildet haben. Ein/e Lernpartner/in kann Ihnen zum Beispiel Bücher besorgen, im Internet recherchieren oder einen Ausstellungsbesuch ermöglichen. Natürlich kann er/sie auch einfach zu einem spannenden Gesprächspartner für Sie werden.


„Deutsche Gesellschaft für Wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium“ mit Ortsverzeichnis für Senioren- und Fernstudien:
www.dgwf.net

Bildungsdatenbank 55 plus der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) mit aktuellen Veranstaltungen, Kursen u.a: www.wissensdurstig.de

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) unterhält eine Datenbank mit einer Fülle an E-Learning-Angeboten: www.eldoc.info

Infos zum Projekt Lernpartnerschaft im vierten Lebensalter: Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg, www.bwerk.de