copyright Hauskauz.de

Betreutes Wohnen zuhause

Frau auf Sessel in Wohnung

Spätestens wenn die Generation der „Babyboomer“ in die Jahre kommt, werden in unzähligen, ganz normalen Wohnungen und Häusern alte und hochaltrige Menschen leben. Nur ganze dreizehn Prozent aller Deutschen können sich einen Lebensabend im Pflegeheim vorstellen, und ihre Zahl nimmt mit steigendem Alter noch einmal deutlich ab, sagen aktuelle Untersuchungen.

Doch im Unterschied zu heute werden viele der heimscheuen Alten in Zukunft mehr oder weniger auf sich allein gestellt sein. Die Unterstützung der Familie, die in der Versorgung Hochaltriger heute noch die Hauptrolle spielt, wird in vielen Fällen nicht mehr verfügbar sein. Alternative Wohnformen für Senioren wie Wohngruppen oder Hausgemeinschaften stehen für eine spannende Entwicklung, sind aber nicht für jedermann und –frau attraktiv.

In den letzten Jahren sind deshalb in einigen deutschen Städten Modellprojekte entstanden, die eine so einfache wie revolutionäre Idee in die Tat umsetzen: das „Betreute Wohnen zu Hause“. Es nennt sich auch „Betreutes Wohnen im Quartier“, „Wohnen mit Service zu Hause“ oder noch anders. Revolutionär ist die Idee, weil hier zu Lande noch immer die Meinung vorherrscht, dass alte Menschen sich entscheiden müssen: zwischen der Freiheit, aber auch der Überforderung des Lebens zu Hause auf der einen Seite und der behüteten, aber auch gängelnden Sicherheit im Heim auf der anderen.

Vorbild Betreute Wohnanlagen

Das Betreute Wohnen zu Hause bietet alten Menschen eine Alternative: Beratung, Betreuung und Kontakte aus einer Hand und in den eigenen vier Wänden. Vorbild sind die Leistungen innerhalb der betreuten Wohnanlagen, die seit den Achtziger Jahren in vielen Städten und Gemeinden gebaut wurden. Gerade die in der Altenarbeit erfahrenen Wohlfahrtsverbände erkannten schon damals: Ältere Menschen brauchen vor und neben der klassischen Pflege noch weitere Unterstützungsleistungen – welche genau, ist jedoch individuell ganz verschieden. Die Träger entwickelten deshalb das Modell der Basis-Betreuungsverträge, die nach Bedarf durch Wahlleistungen ergänzt werden.

Nach demselben Prinzip wurden zwei Jahrzehnte später unter anderem in Aachen, Heidelberg, Düsseldorf und Freiburg erste Konzepte des Betreuten Wohnens zu Hause realisiert. In den letzten Jahren vermehren sich die häufig von der Stadt und/oder vom Land geförderten Angebote rasant. Auch die Wohnungswirtschaft oder Pflegedienste ergänzen ihr Dienstleistungsangebot zunehmend mit variablen Betreuungspaketen für Ältere.

Was leistet die Betreuung?

Den meisten Modellen gemeinsam ist die Bereitstellung eines Hausnotrufs, regelmäßige Kontaktaufnahme durch persönliche Betreuer und umfassende Beratung, zum Beispiel zum Stellen von Anträgen für finanzielle Hilfen oder zur Wohnungsanpassung. Auch schnelle Hilfe bei plötzlicher Erkrankung leisten manche Anbieter ohne Extrakosten. Weitere Dienstleistungen aller Art, vor allem natürlich im hauswirtschaftlichen und pflegerischen Bereich, werden nur vermittelt und kosten extra. Für diesen Service zahlen die Vertragsnehmer eine Pauschale, die je nach Leistung und Finanzierungsmodell erheblich schwankt: zwischen sieben und rund hundert Euro monatlich. Die Erstberatung ist im Normalfall kostenlos.

Regelmäßigkeit als Basis

Doch der Bewusstseinswandel hat gerade erst begonnen – nicht nur auf Seiten der Pflegeanbieter, sondern auch bei den Senioren selbst. Die meisten Betreuungsberater müssen in mühevoller Kleinarbeit eine Vertrauensbasis schaffen, bevor dann, mit Glück, ein Vertrag als Basis für die regelmäßige Betreuung zustande kommt. Gerade weil die Beratungssituation in vielen Städten und Gemeinden inzwischen besser geworden ist, können viele Senioren nicht nachvollziehen, warum sie für Beratungsleistungen, die sie von der Pflegekasse oder Seniorenberatung umsonst bekommen, eine monatliche Pauschale zahlen sollen.

Die Stärke einer guten Betreuung liegt aber vor allem in ihrer Konstanz über die Erstberatung hinaus. Angehörige, Freunde und Nachbarn können enorm entlastet werden, wenn sich regelmäßig jemand kümmert, und wenn auf diese Weise Vertrauen aufgebaut werden kann. Aus betagten „Sorgenkindern“ werden so oft genug wieder selbständige, selbstbewusste Menschen. Körperliche und seelische Krankheiten verlieren ihren Schrecken und stehen nicht mehr im Mittelpunkt.

Eine Studie des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA) zum „Leben und Wohnen im Alter“ zeigt, wohin die Entwicklung gehen könnte: Besser akzeptiert werden offenbar Modelle, die neben den schwer zu vermittelnden Beratungs- und Betreuungsleistungen auf häufige, persönliche Besuche und gesellige Angebote bauen. Zum Beispiel das Projekt SIMBA in Germering. Kunden mit Betreuungsverträgen bekommen hier wöchentliche Hausbesuche und werden zu regelmäßigen Treffen und Ausflügen eingeladen. Ein weiterer „Trick“ bei SIMBA ist das Vorschalten eines preiswerteren Optionsvertrages für Senioren, die sich für die Rundum-Betreuung noch zu rüstig fühlen. Auch sie bekommen - seltener - Besuch von einer Betreuerin, die sie ermuntert, an den geselligen Treffen teilzunehmen. Skeptische Senioren haben so die Chance, allmählich Vertrauen zu fassen und in die Betreuungsgemeinschaft hineinzuwachsen.


Bayerische Koordinationsstelle Wohnen zu Hause:
www.wohnen-zu-Hause.de

Projekt SIMBA in Germering:
www.sd-germering.de

Betreutes Wohnen zu Hause und Beratungsstelle „Wohnen im Alter“ der Freiburger Stadtbau und der Stiftungsverwaltung Freiburg:
www.stiftungsverwaltung-freiburg.de

Kuratorium Deutsche Altershilfe:
www.kda.de