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Seniorengerechte Gartengestaltung

Igel

Blumen gießen, Sträucher schneiden, die Hände in der Erde versenken… Gartenarbeit hilft, vom Alltag abzuschalten und hat für viele Menschen etwas von einer wohltuenden Meditation. Doch erfahrene Gärtner wissen auch, dass die Arbeit im eigenen Garten richtig anstrengend werden kann. Zum Glück sind hundertprozentig unkrautfreie Rasenflächen und penibel gestutzte Thujenhecken aus der Mode gekommen. Dennoch bleiben noch genügend schweißtreibende Tätigkeiten: Baumschnitt, Rasenmähen, Umgraben und Pflanzen, Obst- und Gemüseernte...

Das alles tut unserer Gesundheit durchaus gut. Gartenarbeit stärkt das Herz-Kreislauf-System, wirkt sich positiv auf die Atemwege aus und ersetzt so manches Fitnessgerät. Dazu kommt, dass das mehr oder weniger helle Sonnenlicht die Stimmung hebt und die Abwehrkräfte stärkt - vorausgesetzt, wir übertreiben es nicht und holen uns keinen Sonnenbrand oder Sonnenstich. Im Eifer des Gefechtes vergessen viele Gärtner allerdings das Trinken. Das kann gerade im fortgeschrittenen Alter gefährlich werden. Kreislaufprobleme, Unkonzentriertheit und Unfälle sind häufige Folgen.
Wenn Sie im Alter nicht auf Ihren Garten verzichten möchten, können Sie frühzeitig damit beginnen, ihn nach und nach pflegeleichter „umzubauen“. Haben Sie nicht so viel Zeit oder wollen alles auf einmal erledigt haben, können Sie einen Landschaftsgärtner beauftragen, der Sie auch individuell berät und bei der Planung hilft.

Arbeitsparende Bepflanzung
Rasenflächen gelten oft als pflegeleicht, sind es aber in der Praxis nicht wirklich, weil sie regelmäßig gemäht und gepflegt werden müssen. Wer sie teilweise oder ganz in Blumenwiese umwandelt, das Grün mit Steingärten, Staudenbeeten, Sitzplätzen oder Kiesflächen auflockert, hat letztlich weniger zu tun.
Die elektrische Heckenschere können Sie vergessen, wenn Sie statt mit einer eintönigen Formhecke lieber mit Blütensträuchern und/oder Trockenmauern planen. Vorsicht mit großen, laubabwerfenden und obsttragenden Bäumen. Sie schaffen zwar eine Menge Atmosphäre, machen aber vor allem im Herbst viel Arbeit. Besser sind Spindelbäumchen oder Mittelstämme.

Gelassenheit und robuste Arten
Blumenbeete bepflanzen Sie am einfachsten mit winterharten Stauden oder blühenden Kleingehölzen. Im Gegensatz zu Blumenzwiebeln, die nicht winterhart sind, aber auch zu einjährigen Blumen oder Kräutern müssen Sie sich nicht immer wieder neu um sie kümmern. Achten Sie allgemein auf robuste Arten, die gut zu Klima und Boden passen. Nutzen Sie, was ganz von alleine wächst und Ihnen gefällt, ob Bärlauch oder Farne, bunte Taubnesseln oder wilden Holunder. Dann haben Sie auch mit Schädlingen und anderen Krankheiten kaum Ärger.
Etwas mehr Gelassenheit tut nicht nur Ihrem Rücken, sondern auch der Natur gut. Igel und viele Nützlinge unter den Insekten freuen sich über den einen oder anderen (möglichst windgeschützten) Reisig- oder Blätterhaufen, den Sie nicht weggeräumt haben. "Unkräuter" wie Löwenzahn, Gundermann, Knoblauchrauke oder Brennnessel müssen Sie in Ihrem Garten nicht bekämpfen, Sie können sie auch genießen! Wildkräuterrezepte schmecken und machen auch in der Küche nicht viel Arbeit. Wem die Unkräuter doch zu viel werden, der kann mit Mulch aus gehäckselten Pflanzenresten oder Rinden vorbeugen.
Wollen Sie arbeitsintensiveres Gemüse oder Kleinobst anbauen, können Sie sich ein Hochbeet anlegen lassen. Das macht ein bisschen Mühe bzw. kostet Geld, ist aber ein hübscher Blickfang und erleichtert die Arbeit enorm.

Wege sanieren, Stufen vermeiden
Ganz wichtig: Überprüfen Sie Ihre Gartenwege, Terrassen und Sitzplätze und sanieren Sie sie gegebenenfalls. Planen Sie Wege lieber etwas breiter, ersetzen Sie holprigen oder unsicheren Untergrund. Vermeiden Sie Stolperfallen und Stufen, überlegen Sie, ob Treppen durch eine Rampe oder einen sanft abfallenden Weg ersetzt werden können. Möchten Sie auf eine Treppe nicht verzichten, muss sie ein stabiles Geländer (am besten auf beiden Seiten) haben. Auch für eine gute Beleuchtung der Wege und Eingänge sollte man unbedingt sorgen.
Wo sitzen Sie besonders gern? Hier sollten Sie eine Sitzgelegenheit schaffen, die immer für Sie bereit steht und auch im Winter draußen bleiben kann. An den Punkten des Gartens, die am weitesten vom Haus entfernt sind, machen sich feststehende Bänke oder Sitze ebenfalls gut und erleichtern Ihnen das Spazierengehen, wenn Sie nicht mehr so gut zu Fuß sind. Haben Sie einen größeren Garten, können Sie einen Rundweg mit verschiedenen Ruhepunkten planen. Denken Sie pragmatisch und auch an Ihre Alltagsprobleme: Können Sie zum Beispiel den Müll problemlos entsorgen, das heißt ohne Treppen und Stufen, auf möglichst kurzem, gut beleuchtetem Weg?

Schrumpfkur gefällig?
Zum Schluss noch ein Tipp der anderen Art. Wer auf einem wirklich großen Grundstück lebt, spart viel Arbeit beziehungsweise Geld, wenn er es auf die eine oder andere Weise verkleinert. Da gibt es natürlich (manchmal) die Möglichkeit, einen Teil des Grundstücks zu verkaufen. Vielleicht gefällt Ihnen aber der Gedanke besser, eine abgrenzbare Wiese mit ein paar Obstbäumen an nette Nachbarn oder Stadtbewohner zu „verpachten“ – zum Beispiel gegen gärtnerische Hilfeleistung. Sie können auch einfach Fünfe gerade sein lassen und den hinteren Teil ihres Gartens munter vor sich hinwuchern lassen. Verlassen Sie sich darauf: Wenn Sie ab und zu Kinder zu Besuch haben, werden die gerade diese Wildnis besonders attraktiv finden. Aber auch heimischen Tier- und Pflanzenarten tun Sie damit einen Gefallen.