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Individuell Wohnen

individuell wohnen
Die meisten Menschen wollen im Alter so lange wie möglich bleiben, wo sie sind: in ihrem individuellen Zuhause. Weil das so ist, nimmt das Leben Hochaltriger leider manchmal tragisch groteske Formen an: Sie nehmen in Kauf, dass sie ihre Wohnung nicht mehr verlassen können, weil sie die Treppe nicht bewältigen. Sie sehen tatenlos zu, wie Partner oder Kinder an den Problemen von Pflege und Betreuung zu zerbrechen drohen. Sie verlieren die Kontrolle über ihre Finanzen oder ihren Müll. Der alte Spruch, „einen alten Baum verpflanzt man nicht“, scheint nichts von seiner Kraft eingebüßt zu haben – auch wenn die Probleme noch so übermächtig werden.

Leben bis zuletzt

Doch es steht den Jüngeren nicht an, die Sturheit ihrer Eltern zu beklagen, so lange sie es selbst nicht besser hinbekommen haben. Und welche Alternative hatten und haben Pflegebedürftige bisher? Beinahe nur das Senioren- oder Pflegeheim, in dem teilweise noch immer die Tradition der „Verwahrung und Versorgung“ gepflegt wird. Menschen, gleich welchen Alters, brauchen mehr, sie wollen leben, und das heißt: sie selbst sein dürfen, Aufgaben erfüllen, Zuwendung geben und erfahren.

Nicht die Pflegebedürftigkeit an sich verhindert dieses Leben, sondern es wird unmöglich gemacht durch Strukturen, die dem „Pflegefall“ alle nennenswerten Fähigkeiten absprechen, um ihn unkompliziert versorgen zu können. Würden wir mit unseren Kindern in den Tagesstätten umgehen wie mit den Alten in manchen Heimen, würden wir sie abends mit Medikamenten zur Ruhe bringen und nachts zum Windeln aus dem Tiefschlaf reißen. Wir würden ihnen Essen und Trinken unabhängig von ihrem Hunger und Durst in Rekordzeit verabreichen, wann es uns in den Kram passt. Ganz nach unserem Bedarf würden wir die Kleinen in ihren Wägelchen hin- und herschieben, sie festbinden, wenn sie entkommen wollen, und ihnen ansonsten nicht viel mehr gönnen als ein bemühtes Lächeln pro Tag.

Neue Ideen sind nötig

Aber Gott sei Dank ist die Welt des Alterns jetzt im Umbruch. Schon weil die Alten einen immer höheren Prozentsatz der Bevölkerung ausmachen, kann es sich die Gesellschaft nicht mehr leisten, ihre Bedürfnisse zu ignorieren. Interessante Konzepte des betreuten und gemeinschaftlichen Wohnens sind entstanden, Heime öffnen sich für neue Ideen und verändern ihre Strukturen, barrierefreie Wohnungen, Häuser und Quartiere werden geplant und realisiert.

Auch für die vielen, die in ihrem angestammten Zuhause wohnen bleiben wollen, denken sich Wissenschaft und Wirtschaft viel Nützliches aus. Auf Hauskauz.de finden Sie zahlreiche Informationen zum Beispiel zur Wohnungsanpassung, zu kleinen Helfern im Haus, Gartenpflege und Mobilität. Wenn Sie zu Hause alt werden möchten, dürfen Sie sich nicht überfordern. Haushaltshilfen und Gärtner, Fußpfleger und Einkaufs-Bringdienste kosten Geld, aber die Investition lohnt sich in vielen Fällen. Haushaltsunfälle passieren schneller und häufiger, als viele Senioren meinen, und ihre Folgen sind im Alter oft sehr schwerwiegend.

Aber es gibt noch etwas anderes, worum Sie sich rechtzeitig kümmern sollten. Neue Untersuchungen bestätigen wieder einmal, wie sehr der Mensch ein „soziales Tier“ ist: Gerade im Alter hängen Gesundheit und Wohlbefinden weniger von Wohnungsanpassung, Sturzprophylaxe oder Pflegediensten ab, als von den menschlichen Beziehungen, in denen wir uns bewegen. Aber auch das Zusammenleben mit Tieren oder der tägliche Umgang mit der lebendigen Natur wirken heilsam.

Ideen für Quartierskonzepte

Doch je älter wir werden, desto schwerer kommen wir zueinander. Kinder und Enkel gehen ihre Wege, in der Berufswelt ist man weniger gefragt, Partner, Freunde, Geschwister sterben. Die beste Altersvorsorge betreibt deshalb jemand, der sich darin übt, auch unter schwierigen Bedingungen Kontakte zu knüpfen und zu pflegen.

Vielleicht gibt es in Ihrer Nähe schon Initiativen, die für Sie interessant werden könnten? Immer mehr Kommunen fördern generationenübergreifende Quartierskonzepte. Sie sollen unter anderem auch dafür sorgen, dass ältere Menschen in ihrem Wohnumfeld die Einrichtungen vorfinden, die sie brauchen und mit denen sie sich wohlfühlen. Auskunft über solche Initiativen gibt die Senioren- oder Freiwilligenberatungsstelle Ihrer Kommune. Gibt es in Ihrer Nähe noch keine Ideen zur Quartiersarbeit, ist das ein guter Grund, selbst aktiv zu werden. Sie können sich zum Beispiel für ein Stadtteilcafé stark machen oder einen Lesetreff, einen Billard-Stammtisch in Ihrer Lieblingskneipe oder ein nachbarschaftliches Fitnessangebot – je nachdem, wofür Sie sich begeistern können.

Alleinsein lernen

Gleichzeitig sollten Sie sich klar vor Augen führen, dass Sie auch in einem gut funktionierenden sozialen Netzwerk im Alter immer wieder allein sein werden – gerade wenn Sie zu Hause wohnen bleiben. Fragen Sie sich ruhig einmal, wie gut Sie es ertragen, über Stunden, Tage, vielleicht auch einmal über Wochen keine oder nur wenige Kontakte zu haben. Es gibt Menschen, denen das wenig ausmacht, und die fähig sind, den Kontakt zu ihrer Umgebung rechtzeitig wieder herzustellen. Andere fallen in dieser Situation in eine tiefe Depression oder flüchten sich krampfhaft in die erstbeste Gesellschaft, die, wenn sie nicht die richtige ist, das Gefühl der Einsamkeit noch verstärkt. Gerade wenn Sie allein hausen, also nicht auf die Strukturen einer Wohnanlage, einer Hausgemeinschaft oder eines Heims zurückgreifen wollen, werden Sie Strategien entwickeln müssen, das Alleinsein zu ertragen und zu genießen.


Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) mit Infos und Broschüren zu Quartierskonzepten und zum Wohnen im Alter: www.bagso.de

Buchtipp:
Ursula Wagner, Die Kunst des Alleinseins. Theseus Verlag, 19,95 Euro

Beratungsstellen in Freiburg im Breisgau:

Aktuell zusammengefasst in der Broschüre „Wohnen und Begegnung für Senioren in Freiburg“, zu beziehen bzw. online herunterladbar beim:

Freiburger Seniorenbüro mit Pflegestützpunkt
Technisches Rathaus
Fehrenbachallee 12
79106 Freiburg
Tel. 0761 / 201-3032
www.freiburg.de/senioren
seniorenbuero@stadt.freiburg.de

Stadtseniorenrat Freiburg e.V
www.ssr-freiburg.de
Schusterstraße 19
79098 Freiburg
Schusterstraße 19
Tel. 0761/201-3070

Praktische Hilfe und Infos zu Nachbarschafts- und Quartiersarbeit:
www.netzwerk-nachbarschaft.net