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Mobilität

Straßenbahn

Die Zahlen des Deutschen Zentrums für Altersfragen in Berlin sprechen eine deutliche Sprache: Männer zwischen zwanzig und 39 Jahren halten sich durchschnittlich knapp zehn Stunden täglich außerhalb ihrer Wohnung auf, bei den über Siebzigjährigen sind es nur noch knapp fünf Stunden. Für Frauen der gleichen Altersgruppen halbiert sich dieser Zeitraum von 8,22 auf 4,11 Stunden. Diese Werte sind bedeutsam, weil die außer Haus verbrachte Zeit viel über unseren Möglichkeiten aussagt, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Selbstbewusstsein und Zufriedenheit hängen gerade im Alter eng mit unserer Mobilität zusammen, mit der Möglichkeit, „unter Leute zu kommen“.

Damit ist keineswegs nur die Fähigkeit gemeint, im PKW hunderte von Kilometer zurückzulegen. Vor allem was sich in der näheren Umgebung befindet, entscheidet über die Chancen zur Mobilität im Alter. Zum Beispiel sind interessante Geschäfte, gastronomische Treffpunkte, Kultur- und Freizeitangebote, eine Bibliothek, attraktive Spazierwege, ein See- oder Flussufer Anziehungspunkte für Gleichgesinnte, die sich dort mit oder ohne Begleitung wohl fühlen können.

Daneben gewinnt der öffentliche Nahverkehr eine neue Bedeutung, wenn gesundheitliche Einschränkungen das Autofahren irgendwann unmöglich machen. Ist eine gut nutzbare Haltestelle in fußläufiger Nähe, können sich auch überzeugte Fahrer leichter mit dem Verzicht auf's Auto anfreunden.

Seniorengerecht Autofahren?

Doch diesen Zeitpunkt wollen viele Menschen über sechzig so lange wie möglich hinauszögern. Der heutigen Generation der „Best Ager“ ist der private PKW besonders ans Herz gewachsen, was sie nicht zuletzt mit dem Geldbeutel beweisen: Über 5000 Euro mehr geben sie für einen Neuwagen durchschnittlich aus, im Vergleich zu den unter Sechzigjährigen.

Dennoch meidet die Automobilbranche das Thema „seniorengerechte Autos“ wie der Teufel das Weihwasser. Man fürchtet den Imageverlust, verlässt sich darauf, dass auch Ältere sich lieber beim Ein- und Aussteigen verrenken, nur um sich jünger zu fühlen, als sie sind. Der ADAC erklärt in einem aktuellen Test: Gerade in neuen Modellen werden Design- und Aerodynamik-Vorgaben wichtiger genommen als der Komfort, der für Ältere wichtig wäre.

Tatsächlich will kaum jemand ein Auto kaufen, das als seniorengerecht gepriesen wird. Komfort und Sicherheit sind im vorgerückten Lebensalter zwar wichtige Themen, gleichzeitig legen Männer wie Frauen aber auch Wert darauf, dass ihr Fahrzeug Lebensfreude und Energie ausstrahlt. Sportliche Geländewagen sind oder waren deshalb bei Älteren besonders beliebt: Sie verbinden ein dynamisches, junges Image mit nützlichem Komfort wie der besonders hohen Sitzposition. Erst in jüngster Zeit wird glücklicherweise der Ruf nach ökologisch sinnvolleren Lösungen wieder lauter. Der komfortable, aber dennoch sparsame Kleinwagen sollte das Ziel künftiger Entwicklungen sein.

Laut einer Befragung des TÜV Süd sind eine hohe, aufrechte Sitzposition und ein bequemer Einstieg für Menschen über sechzig besonders vorteilhaft. Muss sich der Fahrer beim Einsteigen nicht mehr bücken, kann er in Stehhöhe auf den Sitz gleiten, ist das Auto bei Älteren besonders beliebt. Auch seitliche Schiebetüren mit breitem Zugang zu den Vordersitzen sind eine interessante Lösung.

Autos mit hohen Türschwellen oder tiefen Schalensitzen, schwer erreichbare Gurte und kleine Türgriffe sind besonders ungünstig. Auch der Komfort von Navigationssystem, Klimaanlage, elektrischer Zentralverriegelung oder Fensterhebern werden hoch geschätzt – unter der Voraussetzung, dass sie leicht zu bedienen sind. Wenige, aber große Regler, Anzeigen und Knöpfe sind auch für Instrumente wie Tankanzeige, Drehzahlmesser oder das Radio wichtig.

Weil Kopf- und Schulterdrehungen im Alter oft schwerfallen, sind Rückfahrkameras oder elektronische Rückfahrwarner fürs Einparken eine große Hilfe. Auch auf Licht-Extras, große Sonnenblenden, Innenbeleuchtung und gute Außenspiegel legen Senioren Wert. Die Heckklappe sollte leicht zu öffnen und zu schließen, der Kofferraum gut zugänglich sein.

Die neue Leichtigkeit des Bikes

Noch vor wenigen Jahren galt das Elektro-Fahrrad als Nischenprodukt für eine kleine Minderheit. Das hat sich geändert: Nicht nur Fachgeschäfte haben E-Bikes oder Pedelecs, wie sie neudeutsch genannt werden, längst in ihr Sortiment aufgenommen, auch in den Prospekten von Discountern tauchen sie immer häufiger auf. Laut Siegfried Neuberger vom Zweirad Industrie Verband (ZIV) in Bad Soden hat sich bereits 2007 die Zahl der in Deutschland verkauften Elektrofahrräder verdoppelt, und 2008 stieg sie noch einmal sprunghaft an, auf jetzt rund 100 000 Stück. "Dieser Trend wird sich fortsetzen", ist er überzeugt. Sein Optimismus hat gute Gründe: Die Zielgruppen für Pedelecs und E-Bikes werden immer vielfältiger.

Da sind einmal die älteren bzw. gehandicapten Fahrradfahrer, deren Marktanteil in Zeiten des demografischen Wandels spürbar wächst. Aber auch junge Menschen oder fitte Senioren finden es verlockend, über Berg und Tal mit dem Fahrrad zu einem Termin zu fahren und dennoch nicht verschwitzt anzukommen. Daneben gibt es den sportlichen Freizeitfahrer, der Spaß an der Geschwindigkeit hat und genussvoll große Bergstrecken zurücklegt.

Erfolgreich und alltagstauglich hat die Pedelecs vor allem auch der Forschritt ihrer Technik gemacht. Die Regeltechnik, die den immer mittretenden Fahrer um etwa fünfzig Prozent unterstützt, wurde ausgefeilter, das Fahren unproblematisch auch für Ungeübte. Die Akkus sind leichter und unauffälliger geworden, das Aufladen macht heute vor allem bei Lithium-Ionen-Akkus keine Probleme mehr. Bei guten Rädern reicht der vollgeladene Akku etwa fünfzig Kilometer weit.

Momentan wiegt ein Pedelec zwischen neunzehn und dreißig Kilo, ein „normales“ Fahrrad etwa sechzehn. Doch Fachleute sind sich einig, dass die Entwicklung noch weiter gehen wird. Die Akkus werden leichter, ihre Reichweite größer. Auch die Preise werden weiter sinken. Aktuell muss man für ein Pedelec immerhin noch knapp tausend Euro berappen. Wer auf Markenqualität und Komfort Wert legt, landet schnell bei einem Preis von mehreren tausend Euro.

Inzwischen gibt es für jeden Typ das passende Elektrofahrrad. Zum Beispiel das komfortable, das Menschen über sechzig beim Anfahren oder beim Fahren am Berg sanft und sicher unterstützt. Es bietet mit extratiefem Einstieg und gefedertem Komfortsattel weitere Vorteile. Nicht nur für Menschen mit körperlichen Einschränkungen, sondern zum Beispiel auch für alle, die am Hang wohnen und nicht für jede Erledigung Auto fahren wollen, kann ein solches Rad enorm nützlich sein.

Daneben bieten immer mehr Hersteller sportliche Varianten, die teilweise auch fürs Geländefahren geeignet sind. Sogar Falträder hat man entwickelt, für den Einsatz aus dem Kofferraum zum Beispiel. Fast alle Pedelecs sind zulassungsfrei und nicht versicherungspflichtig, da die Regelelektronik nicht mehr als 25 Stundenkilometer unterstützt. „Bergab mit Rückenwind“ können Sie natürlich dennoch schneller werden – wie mit einem normalen Fahrrad auch. Wer sich für die Anschaffung eines Elektrofahrrads interessiert, sollte ausgiebig Probe fahren. Fachgeschäfte bieten teilweise sogar den kostenlosen Test eines Modells für einen ganzen Tag an.


Nützliche Autotests und Informationen des ADAC findet man unter dem Stichwort „Autotests“ und „fit und mobil“ auf www.adac.de

Informationen und Tests zu E-Bikes:
www.extraenergy.org

Ratgeber der „Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen“ (BAGSO): „Mobil bleiben – Klima schonen“ mit Tipps für umweltschonende Mobilität speziell für Senioren, kostenlos zu beziehen unter Tel. 0228/24999329 oder klimaschutz@bagso.de