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Partnerschaft und Familie

Beim Kaffeetrinken

Das Alter, wie wir es momentan kennen, ist überwiegend weiblich. Nicht nur die allgemein höhere Lebenserwartung der Frauen gegenüber den Männern, auch der zweite Weltkrieg mit all seinen Folgen hat dazu geführt, dass viele der heute über achtzigjährigen Frauen früher oder später alleine zurückblieben. Doch dieser Trend, der mit zum großen Problem der Alterseinsamkeit geführt hat, wird sich so nicht fortsetzen. In seinem Buch „Die 50+ Studie“ stellt Soziologieprofessor Dieter Otten fest, dass nicht weniger als achtzig Prozent der Fünfzig- bis Siebzigjährigen verheiratet ist, weitere zehn Prozent leben in festen Partnerschaften.

Das in einer Generation, die durch 68er-Revolution und Frauenbewegung geprägt wurde, und der man eigentlich nachsagt, sie sei freizügiger, emanzipierter, trennungs- und patchwork-erfahrener als jemals zuvor! Offenbar haben gerade die Möglichkeiten, sich auszuprobieren und zu verwirklichen, sich zu trennen und wieder zu binden dazu geführt, dass viele der „Jungen Alten“ heute die Lebensform der festen Zweierbeziehung besonders zu schätzen wissen. Eine freiwillige Lust am Zusammensein hat die Zwangs-Zweisamkeit der Ehe vergangener Zeiten abgelöst.

Das Philemon-und-Baukis-Syndrom

Aller Wahrscheinlichkeit nach werden viele dieser Partnerschaften bis ins hohe Alter hinein bestehen bleiben. Anbieter des Betreuten Wohnens oder luxuriöser Seniorenresidenzen müssen sich schon jetzt umorientieren, Pflege- und Seniorenheime werden nachziehen: Das Ein-Zimmer-Appartement ist ein Auslaufmodell, nicht nur, weil die Ansprüche an den Wohnraum gestiegen sind. Man altert heute bevorzugt zu zweit – Otten nennt das nach der altgriechischen Sage das „Philemon-und-Baukis-Syndrom“. Gerade angesichts der demografischen Entwicklung ist diese Tendenz vielleicht ein echter Glücksfall. Müssen bislang oft die erwachsenen Kinder die Hauptlast der Sorge um die pflegebedürftigen Alten tragen, kann die kommende Generation zumindest zum Teil auch auf den Beistand eines (Ehe-)Partners hoffen.

Doch wie wir wissen, hat das Glück der Zweisamkeit auch eine andere Seite der Medaille. Steigt die Zahl der Partnerschaften im Alter, bedeutet das gleichzeitig, dass auch ihre Probleme zunehmen. Immer mehr verzweifelte Sechzig- und Siebzigjährige stürmen die Ehe- und Familienberatungsstellen, die auf diese Generation noch gar nicht vorbereitet sind. Mit frühen Beziehungskillern durch Beruf, Familiengründung oder Treueprobleme kennen sich Eheberater oft bestens aus – aber was geht in Menschen vor, wenn sich nach jahrzehntelanger Partnerschaft auf einmal Abgründe auftun?

Psychosoziale Beratungsstellen 50plus

Die Kinder sind aus dem Haus, auch die Berufstätigkeit mit all ihren Belastungen fällt weg – und dennoch, oder gerade deswegen, entdeckt man das Fremde im Anderen. Aber auch typische Krankheiten des fortgeschrittenen Alters, vom lebensbedrohlichen Krebs über Alzheimer bis zur Depression nach einem Schlaganfall, können eine bislang gut funktionierende Partnerschaft tief erschüttern.
Trennung und Scheidung im höheren Lebensalter sind keine Randerscheinung mehr. Über siebzig Prozent der Menschen zwischen fünfzig und siebzig erklären heute selbstbewusst, das sie eine Beziehung, die nicht mehr trägt, auch tatsächlich beenden würden. Gleichzeitig scheut man sich nicht mehr so sehr davor, auch Hilfe von außen in Anspruch zu nehmen, und hat oft schon Erfahrungen mit Beratungen oder Therapien verschiedener Art gemacht.

Aber auch ältere Singles dürfen mit Grenzerfahrungen wie Einsamkeit, Krankheit und Tod nicht allein gelassen werden. Und nicht nur Partnerschaften, auch Eltern-Kind- und Geschwister-Beziehungen zerbrechen manchmal nach jahrzehntelanger Harmonie, wenn es bei heiklen Themen wie Erbe und Schenkung oder Pflege und Zuwendung plötzlich ganz anders zur Sache geht. Ein gut ausgebautes Netzwerk psychosozialer Beratungsstellen, die speziell auf die Bedürfnisse Älterer eingeht und diesen mit professioneller Hilfe zur Seite steht, könnte viel Leid verhindern oder mildern helfen.


Psychologische und therapeutische Beratung insbesondere für Ältere in Freiburg (Breisgau):
Heinrich-Hansjakob-Haus
Ursula Jaisle, Dipl.-Psychologin, Dipl.-Sozialarbeiterin
Tel.: 0761 70313-0
info@heinrich-hansjakob-haus.de
www.heinrich-hansjakob-haus.de

Beratung zu Liebe, Partnerschaft und Sexualität im Alter (Freiburg im Breisgau):
Pro Familia
Tel. 0761/296256
www.profamilia-freiburg.de

Dieter Otten, Die 50+ Studie: siehe unter www.die50plusstudie.de