Sturzgefahren, Stolperfallen

Viele über Sechzigjährige fühlen sich noch lange nicht alt und meinen, beim Thema Sturzprophylaxe einfach weghören zu können. Ein kleiner Stolperer kann schon mal vorkommen – aber für ernsthaft sturzgefährdet hält man sich deshalb noch lange nicht. Dabei sind Stürze unter Senioren alles andere als selten: Laut Statistik ist jeder dritte Mensch über 65 mindestens einmal im Jahr gestürzt, ab 80 sogar jeder zweite. Die Folgen dieser Unfälle sind oft schwerwiegend. Etwa jeder zehnte Sturz endet in einem Knochenbruch, dessen Folgen im Alter manchmal kaum mehr zu reparieren sind. Wegen der gefährlichen Folgeerscheinungen sind Sturzunfälle bei den über 65jährigen sogar eine der Haupttodesursachen.
Gleichgewichts- und Muskeltraining
Altersforscher wissen inzwischen, dass wir alle gar nicht früh genug damit anfangen können, der Sturzgefahr im Alter vorzubeugen. Weniger der Alterungsprozess an sich, vor allem der zunehmend passive Lebensstil vieler älterer Menschen führt dazu, dass sie mehr und mehr Muskelmasse verlieren. Schon mit vierzig oder fünfzig Jahren Gleichgewichtsübungen in den Alltag einzubauen, hilft, den Abbau der Körperfunktionen aufzuhalten. Haben Sie Ihren 75. Geburtstag bereits gefeiert, können Sie sich mehrmals pro Woche intensiv mit Muskel- und Gleichgewichtstraining fit halten. Und selbst über Achtzigjährigen raten Wissenschaftler heute zu aktivem Bewegungstraining gegen den Muskelschwund.
Gerade auch wer durch Krankheit oder Unfall gehandicapt ist, darf nicht auf Dauer den Schongang einlegen, sondern sollte versuchen, möglichst schnell wieder ins Training einzusteigen. Eine Langzeitstudie der Jacobs University Bremen konnte nachweisen, dass regelmäßige, sportliche Bewegung im fortgeschrittenen Alter auch das Gehirn fit hält und uns verschiedenste Reize schneller und zuverlässiger verarbeiten lässt. Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse, beim örtlichen Sportverein oder in Fitness-Studios nach speziellen Angeboten für Ihre Altersgruppe. Viele Krankenkassen übernehmen ganz oder teilweise die Kosten.
Stolperfallen beseitigen
Rutschende Teppiche sollte man entweder ganz entfernen oder (mit Anti-Rutsch-Unterlagen oder speziellem Klebeband) gut befestigen. Griffige Handläufe auf beiden Seiten erleichtern Ihnen das Treppensteigen. Auch im Flur oder in anderen Zimmern können Handläufe nützlich sein. Kabel nicht quer durch den Raum führen, sondern zusammenbinden und an der Wand befestigen. Schwellen zum Beispiel an Türen zurückbauen oder gut sichtbar farblich markieren. Besonders wichtig: Gute Beleuchtung und Lichtschalter überall dort, wo Sie sie im Alltag brauchen! Weil wir im Alltag häufig keine Hand freihaben, sind auch Leuchten mit Bewegungsmelder an Treppen, Fluren und Hauseingängen eine gute Idee. Wenn Sie große Probleme mit dem Treppensteigen haben, brauchen Sie vielleicht einen Treppenlift. Die Kosten für Anschaffung und Einbau sind leider noch immer recht hoch und werden häufig nicht oder nur zum Teil von der Pflegekasse übernommen. Holen Sie deshalb unbedingt Informationen und Angebote von verschiedenen Firmen ein. Weitere Infos auf den Webseiten siehe unten.
Regelmäßig zum Augenarzt
Mindestens alle drei Jahre sollten Menschen über sechzig ihre Sehkraft vom Augenarzt überprüfen lassen. Typische Alterserscheinungen, die man rechtzeitig behandeln muss, sind zum Beispiel der Graue oder Grüne Star und die Altersbedingte Makula-Degeneration. Gleitsicht- oder Bifokalgläser können gerade beim Treppensteigen große Probleme machen. Eine Zusatzbrille ist dann die einfachste und praktikabelste Lösung.
Die richtigen Schuhe tragen
Schlappen Sie nicht zu leger durch den Alltag! Festes Schuhwerk mit breiten Absätzen und gutem Fersenhalt hat schon viele Stürze verhindert. Probieren Sie aus, in welchen Schuhen Sie gut auf einem Bein balancieren oder schnell laufen können. Auch glatte, rutschige Sohlen können schnell gefährlich werden.
Medikamente überprüfen
Viele Menschen müssen nachts regelmäßig zur Toilette oder haben andere Gründe, „herumzugeistern“. Vor allem in dieser Situation können die Nebenwirkungen von Medikamenten gefährlich werden: Beruhigungs- und Schlafmittel, starke Schmerzmittel, Blutdrucksenker oder Antihistaminika, auch Antidepressiva können die Reaktionszeiten herabsetzen und Schwindel erzeugen. Sie sollten Ihre Medikamente aber nie ohne Rücksprache mit dem Arzt absetzen. Auch wenn Sie keine dieser Mittel nehmen müssen, informieren Sie Ihren Hausarzt, wenn Sie den Eindruck haben, dass Sie häufiger stolpern als früher oder unsicher auf den Beinen sind.
Sturzprophylaxe-Training im Internet:
www.aktiv-in-jedem-alter.de
Tipps zur Wohnungseinrichtung und zur Finanzierung vom Sozialministerium Nordrhein-Westfalen:
www.wohnberatung.nrw.de
Informationen zu Treppenliften:
www.treppenlifte.com
www.treppenlift-tipps.de
