Vorbauen für später
Wenn größere Renovierungen ins Haus stehen, bietet es sich an, schon im mittleren Lebensalter an den Lebensabend zu denken. Doch weil niemand weiß, wie er einmal alt wird, können Sie auch nicht vorhersehen, welche Art von Wohnungsanpassung Sie wirklich einmal brauchen. Ganz sicher kann niemand sein, dass sich die Investitionen in eine seniorengerechte Wohnung überhaupt lohnen. Vielleicht werden Sie in zwanzig Jahren kaum noch Treppen steigen können, vielleicht wird Ihnen der Arzt aber auch erklären, dass das tägliche Treppentraining in Ihrem Fall sogar nützlich ist. Nicht nur Arthrose oder Sehschwächen sind typische Alterskrankheiten, auch Depressionen oder Demenz machen vielen Menschen in der vierten Lebensphase das Leben schwer. Die perfekteste, barrierefreie Wohnung nützt in diesen Fällen wenig.
Bleiben Sie deshalb gelassen und warten Sie vor großen, zusätzlichen Investitionen lieber erst einmal ab, was Ihnen die Zukunft wirklich bringt. Werden Sie irgendwann wirklich „anerkannt“ pflegebedürftig, haben Sie auch bessere Möglichkeiten, zum Beispiel von der Pflegekasse Zuschüsse zu den individuell notwendigen baulichen Maßnahmen und Hilfsmitteln zu bekommen.
Dennoch – wenn Sie Ihr Zuhause sowieso renovieren, bauen oder umbauen, können Sie jetzt schon fünf grundlegende Tipps für altersgerechtes Wohnen beherzigen, die Ihnen in beinahe jedem Fall später das Leben einfacher machen.
1. Schaffen Sie Platz! Nicht nur Rollstuhlfahrer, auch Senioren mit oder ohne Gehstock und Rollator haben größere Mühe, Gegenständen oder Personen auszuweichen, als Sie sich das heute vorstellen können. Misten Sie lieber jetzt schon aus. Verzichten Sie auf ausladende Möbel und überlegen Sie sich praktische, platzsparende Aufbewahrungslösungen. Vor allem enge Flure, Bäder und Küchen machen Senioren zu schaffen. Vielleicht hilft es, eine Wand einzureißen oder statt der wuchtigen Badewanne eine bodengleiche Dusche zu planen? Fachleute haben eine Fülle pfiffiger Ideen entwickelt, die auch kleine Appartements oder vertrackte Altbauten komfortabler machen. Lassen Sie sich beraten, bevor Sie loslegen.
2. Denken Sie an Gäste! Je älter wir werden, desto mehr Zeit verbringen wir in der Regel zu Hause. Wer dann nicht einsam sein will, muss andere Menschen zu sich einladen. Deshalb ist gerade im Alter ist ein ordentliches Gästebett oder -zimmer Goldes wert. Auch wenn Sie eines Tages eine Rundum-Betreuung brauchen, sind Sie froh über eine passable Unterbringungsmöglichkeit. Ein geräumiges Wohnzimmer und genügend Platz fürs Hobby sind weitere gute Voraussetzungen für Geselligkeit und Abwechslung im Alter.
3. Vereinfachen Sie Ihr Leben! Alte Menschen können oft noch fast alles, aber es kostet sie mehr: Zeit, Kraft und/oder Geld. Altersvorsorge kann man deshalb auch betreiben, indem man frühzeitig beginnt, die Weichen für ein einfacheres Leben zu stellen. Durchforsten Sie Ihren Alltag einmal systematisch nach Zeit- und Kraftfressern. Überlegen Sie, auf welche Arbeiten Sie gern verzichten würden. Hier nur ein paar Denkanstöße: Ein großes Haus mit Grundstück macht mehr Arbeit als eine kleine Wohnung. Immobilienbesitz sichert zwar das lebenslange Wohnrecht, kann aber auch erhebliche Kosten und Aufwand bedeuten – zur Miete wohnen ist oft bequemer. Empfindliche Böden, große, hohe Fensterflächen, vollgestellte Räume, schwere Gardinen und Vorhänge zu pflegen kostet im Alter viel Zeit oder Geld. Wenn Sie in Ihrem Alltag weite, anstrengende Wege zurücklegen müssen (zum Beispiel zum Einkaufen, Hobby, Freunden, Kultur…), kann ein Umzug das Leben vielleicht leichter machen. Sie möchten auch im Alter nicht auf Ihren Garten verzichten? Mit kluger Gartengestaltung sparen Sie eine Menge Kraft, siehe unter dem Menüpunkt „Glücklich Gärtnern“…
4. Bauen Sie Stolperfallen ab! Schwellen und Stufen, rutschende Teppiche und Läufer sind jetzt noch kein Problem für Sie, aber wenn Sie es einrichten können, lassen Sie sie lieber früher als später verschwinden. Rutschfeste Bodenbeläge sind besonders in den Räumen wichtig, in denen es schon mal feucht wird. Sorgen Sie jetzt schon für gute Beleuchtung an Treppen, Eingängen und anderen heiklen Stellen.
5. Gönnen Sie sich Qualität und Komfort! Wenn Sie Langlebiges wie Fenster und Türen, Geländer und Haltegriffe, Möbel, Armaturen, Werkzeug und Geräte aller Art neu anschaffen, sollten Sie auf Qualität und Funktionalität achten. Machen Sie den "Greiftest" und stellen Sie sich vor, Sie hätten nur noch halb so viel Kraft.
