Wohnen in der betreuten Wohnanlage

„Betreutes Wohnen“ ist der gebräuchlichste Begriff für Kombinationen aus Wohn- und Betreuungsangeboten, die unterschiedlich organisiert und gestaltet sein können. Andere Bezeichnungen sind „Wohnen mit Service“, „Seniorenwohnen“ oder „Wohnen Plus“. Allen Varianten gemeinsam ist, dass sie ein möglichst eigenständiges Leben ermöglichen sollen, bei Bedarf aber auch professionelle Hilfe bereit halten. Die meisten Kommunen beziehungsweise deren Seniorenberatungsstellen halten Listen mit allen Einrichtungen des Betreuten Wohnens in Ihrer Nähe bereit.
Noch wird mit dem Begriff „Betreutes Wohnen“ in erster Linie das Leben in einer speziellen Wohnanlage verbunden. Allmählich entstehen aber auch immer mehr Formen der „Betreuten Wohnens zu Hause“, auch „Betreutes Wohnen im Bestand“ genannt. Informationen hierzu finden Sie im Menü unter Pflege und Betreuung.
In vielen Städten und Gemeinden wurden traditionell sogenannte „Altenwohnungen“ angeboten, die sich von Altenheimen gerade dadurch unterschieden, dass keinerlei Betreuung stattfand. Sie wurden meist von den Verbänden der Wohlfahrtspflege, von Kommunen, Kirchen oder der Bauwirtschaft betrieben. Aus ihnen entstand in den Achtziger Jahren das moderne „Betreute Wohnen“, indem die Mietverträge mit flexiblen Betreuungsverträgen ergänzt wurden. Die neue Wohnform boomte bis weit in die neunziger Jahre hinein und ist nach wie vor begehrt.
Wohnen plus Betreuung
Nach dem Enthusiasmus der Anfänge ist allerdings vielerorts Nüchternheit und Skepsis eingekehrt. Probleme des Betreuten Wohnens entstehen zum Beispiel daraus, dass die Initiatoren die Bedürfnisse ihrer Bewohner falsch einschätzen. Sie nehmen an, dass ältere Menschen einziehen würden, solange sie noch rüstig und selbständig sind. Die Statistiken sprechen eine andere Sprache: Die meisten Bewohner sind bereits beim Einzug pflegebedürftig und deutlich über 75 Jahre alt. Sie sind also in stärkerem Maße auf Hilfe angewiesen als ursprünglich geplant, und setzen beim Einzug auch voraus, dass diese Hilfe ohne viel Aufwand und zusätzliche Kosten vorhanden ist.
Betreutes Wohnen besteht in der Regel aus einem Wohn- und einem Betreuungsvertrag. Beim Betreuungsvertrag wird wiederum zwischen Grund- und Wahlleistungen unterschieden: Erstere sind in der monatlichen Pauschale enthalten, die zweiten zahlen Sie bei Bedarf zusätzlich. Zu den Grundleistungen gehört meist das Notrufsystem, das Sicherheit rund um die Uhr gewährleistet. Auch regelmäßige Beratung, ein eingeschränkter Hausmeisterservice und das soziale Angebot (Veranstaltungen, Kurse) sind teilweise enthalten. Als Wahlleistung wird zum Beispiel ein Mittagstisch angeboten, die Nutzung von Gästeappartements oder größere Reparaturen des Hausmeisters. Zu den Wahlleistungen gehört in der Regel auch die Pflege, das heißt: Sie schließen im Betreuten Wohnen ähnlich wie zu Hause einen Vertrag mit einem ambulanten Pflegedienst ab. Diesen können Sie manchmal frei wählen, manchmal ist er vom Haus vorgegeben.
Leistungen genau prüfen
Weil es keine eindeutigen gesetzlichen Vorgaben und kein einheitliches Prüfsiegel für Betreute Wohnanlagen gibt, sind Interessenten darauf angewiesen, alle Verträge genau zu prüfen. Sind insbesondere die Grundleistungen nicht konkret genug formuliert, fragen Sie ruhig nach. Zum Beispiel: Was bedeutet „kleine hausmeisterliche Hilfen“, die in der Pauschale enthalten sein sollen? Welche „Angebote zur Förderung der sozialen Kontakte“ werden aktuell angeboten, und was kosten sie extra? Möchten Sie regelmäßig Wahlleistungen in Anspruch nehmen, lassen Sie sich eine aktuelle Preisliste geben und beziehen Sie diese in ihre Kostenrechnung mit ein.
Kosten und Leistungen können erheblich variieren. Leider gab und gibt es unter den Betreibern immer wieder schwarze Schafe, die mehr versprechen, als sie halten können. Die meisten betreuten Wohnanlagen fallen (im Gegensatz zu vielen Residenzen oder Stiften) nicht unter das Heimgesetz und haben deshalb in Bereichen wie Personalstärke und -qualifikation, Kostenerhöhungen und Pflegequalität weniger strenge Bestimmungen einzuhalten als diese. Erkundigen Sie sich deshalb nach dem Träger und seinem Ruf, befragen Sie, wenn möglich, Bewohner oder ihre Angehörigen. Vielleicht gibt es die Möglichkeit der Probewohnens für ein paar Tage?
Lage und Infrastruktur
Auch der Standort der Wohnanlage spielt eine zentrale Rolle. Für wichtige Menschen in Ihrem Leben, ob Familie oder Freunde, sollten Sie weiterhin gut erreichbar sein. Vergessen Sie nicht, dass Sie auch im Betreuten Wohnen noch so weit wie möglich für sich selbst sorgen wollen und sollen, also zum Beispiel weiterhin einkaufen oder den Arzt besuchen. Deshalb sind Sie auf eine gute Infrastruktur angewiesen: Geschäfte, Ärzte und Apotheken, Spazierwege, eine Kirche oder ein Kulturzentrum, was auch immer Sie im Alltag brauchen, sollte fußläufig erreichbar sein.
Ein typisches Problem vieler Wohnanlagen sind die (für heutige Bedürfnisse) sehr kleinen Appartements. Die Vorgaben staatlicher Förderung, das Vorbild traditioneller Altenheime, aber auch die hohe Witwenzahl in der Kriegsgeneration haben in der Vergangenheit dazu geführt, dass in der Mehrzahl Ein- oder Anderthalb-Zimmer-Appartements mit Küchenzeile und kleinem Bad gebaut wurden. Inzwischen haben sich die Bedürfnisse Älterer grundlegend geändert. Sie erleben deutlich häufiger auch ihre späten Jahre als Paar und haben mehr Platzbedarf, zum Beispiel für Hobbys, Gäste oder Haustiere. Wer aber mehr als anderthalb Zimmer bewohnen möchte, muss oft viele Jahre auf eine betreute Wohnung warten. So bleibt zu hoffen, dass auf Seiten der Betreiber von Wohnanlagen in Zukunft realistisch geplant bzw. in bestehenden Häusern entsprechend umgebaut wird.
Umzug ins Heim?
Erkundigen Sie sich danach, was passieren könnte, wenn Sie schwer pflegebedürftig werden und/oder an einer Demenz erkranken. In vielen Fällen müssen Sie in diesem Fall nämlich doch noch in ein Heim umziehen. Es gibt allerdings betreute Wohnanlagen, die auch für schwierige Fälle gute, praktikable Möglichkeiten gefunden haben, zum Beispiel durch die direkte bauliche Nähe zu einem Pflegeheim, die gute Zusammenarbeit mit einem erfahrenen, ambulanten Pflegedienst, die Einrichtung einer Tagespflege oder einer Wohngemeinschaft für Demenzkranke innerhalb der Wohnanlage.
Trotz der gelegentlichen Schwächen und Probleme macht das Betreute Wohnen aber in vielen Fällen eigenständiges Wohnen bis ins hohe Alter möglich, mit etwas Glück bis ans Lebensende. Viele Senioren kommen hierher, wenn körperliche Einschränkungen das Leben im Haus oder in der Wohnung mühsam bis unmöglich machen. Denn in aller Regel sind die Appartements seniorengerecht bzw. barrierefrei - worauf man sich allerdings nicht verlassen sollte! Prüfen Sie im Einzelfall kritisch, ob es bauliche Probleme für Sie gibt.
Tote Hose oder immer was los?
Ein großes Plus des Betreuten Wohnens ist das – freiwillige – soziale Angebot. Meist gibt es Gemeinschaftsräume, Veranstaltungen, Feste, Freizeit- oder Bildungsangebote vor Ort, was gerade für Menschen mit körperlichen, aber auch mit seelischen Problemen das Leben sehr viel leichter und interessanter machen kann. Andererseits wird niemand gezwungen oder genötigt, ein Rückzug in die privaten Räume ist auch wegen der räumlichen Nähe jederzeit möglich. Auch hier sollten Sie genau hinschauen und prüfen, ob wirklich regelmäßig für Sie brauchbare Angebote stattfinden. Fragen Sie gegebenenfalls, ob Sie auch selbst – zum Beispiel ehrenamtlich – den einen oder anderen Kurs oder Kreis anbieten dürfen, und ob dafür ein Raum oder andere Voraussetzungen vorhanden sind.
Wenn es möglich ist, beobachten Sie eine Weile das Treiben in der Wohnanlage. Wo trifft man sich, wie ist die Atmosphäre? Oft sind nicht die „offiziellen“ Gemeinschaftsräume Kernpunkt des sozialen Lebens, sondern zum Beispiel der Eingangsbereich, der Garten oder die Gänge zwischen den Gebäuden. Fühlen Sie sich dort wohl, können Sie sich vorstellen, hier ein Schwätzchen zu halten?
Alternative für den kleinen Geldbeutel
Natürlich spielt bei der Entscheidung für eine Betreute Wohnanlage auch der finanzielle Aspekt eine wichtige Rolle. Körperliche oder psychische Probleme, aber auch eine schlechte Infrastruktur können das Leben in der gewohnten häuslichen Umgebung sehr teuer machen. Wer im Alter ein großes Haus bewohnt, braucht umfangreiche hauswirtschaftliche Dienstleistungen, muss vielleicht einen oder mehrere Treppenlifte anschaffen, Türen verbreitern, Eingangsbereiche umgestalten… Wer auf dem Land wohnt und nicht vereinsamen will, muss unter Umständen immer häufiger kostspielige Taxifahrten bezahlen.
Gerade für Interessenten mit kleiner Rente und Wohnberechtigungsschein ist ein Appartement in einer betreuten Wohnanlage eine interessante Alternative – natürlich auch im Vergleich zur gehobenen Seniorenresidenz. Das mühsam angesparte Geld ist dann im Bereich Gesundheit, aber auch Freizeit, Reisen, Kultur und Bildung sicherlich sinnvoller angelegt.
Seien Sie sich dessen bewusst, dass Sie mit der Betreuten Wohnanlage einen Kompromiss eingehen. Einerseits sind Sie freier als im Seniorenheim und können Ihren Tagesablauf weitgehend selbständig gestalten. Andererseits bekommen Sie keine Vollversorgung und können nicht erwarten, dass keinerlei zusätzliche Kosten und Mühen entstehen. Kompromisse macht das Betreute Wohnen aber auch im Bereich Sozialleben: Einerseits sind Sie im Betreuten Wohnen gut aufgehoben, haben vielfältige Möglichkeiten für Gesellschaft und Gemeinsamkeit. Andererseits sind Sie vorwiegend von älteren Menschen umgeben – ähnlich wie in einem Seniorenheim.
Stiftung Warentest: Special zum Wohnen im Alter, darin Informationen zum Betreuten Wohnen (Stand 2006): http://www.test.de/themen/bildung-soziales/special/-/1404154/1404154/1404454/
Informationen und Checkliste fürs Betreute Wohnen der Bundesarbeitsgemeinschaft für Senioren-Organisationen (BAGSO): http://www.bagso.de/publikationen.html
Bundesweite Suche nach Betreutem Wohnen, Residenzen und Seniorenheimen der „Bundesinteressenvertretung der Nutzerinnen und Nutzer von Wohn- und Betreuungsangeboten im Alter und bei Behinderung“ (BIVA) e.V.: www.heimverzeichnis.de
Beratungsstellen in Freiburg im Breisgau:
Aktuell zusammengefasst in der Broschüre „Wohnen und Begegnung für Senioren in Freiburg“, zu beziehen bzw. online herunterladbar beim
Freiburger Seniorenbüro mit Pflegestützpunkt
Technisches Rathaus
Fehrenbachallee 12
79106 Freiburg
Tel. 0761 / 201-3032
www.freiburg.de/senioren
seniorenbuero@stadt.freiburg.de
Stadtseniorenrat Freiburg e.V
www.ssr-freiburg.de
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79098 Freiburg
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